Dortmunder Rundschau: 4. März 1998

Überflieger gibt sich als Tiefstapler
Von Ellen Sarrazin-Knipp

Simply the best! Auf Jens Sydor trifft's zu. Er wird heute als bester Prüfungskandidat der Welt(!) von der Londoner Industrie- und Handelskammer gekürt. Für sein (Wirtschafts-)Englisch, gelernt im "Language Centre". Was er sonst noch alles drauf hat, darüber würde er am liebsten gar nicht reden. Wir tun's trotzdem - ein bißchen.

Er öffnet die Tür, atmet tief durch, er wie. Daß er da durch muß. Das hat ihm die Sprachenschule eingebrockt, die mit ihm erstmals die Auszeichnung der Londoner Industrie- und Handelskkammer "Business Certificate Level 2" ins Haus holt. Das schmückt.

"Ich hab' Englisch nach der 12 abgewählt, weil ich so schlecht war". (Tiefstapelei!) Nun hat Sydor, der Doktorand am Max Planck Institut für Molekular Physiologie ist, nebenbei gebüffelt. Um sich beruflich zu qualifizieren: " Auch bei Chemikern sieht's nicht so rosig aus."

Prüfung absolviert, drei Monate wegen der Doktorarbeit nach San Francisco. Die Sprachenschule schon fast vergessen, dann die Nachricht: "Du bist der Beste - weltweit!" Davon kann von Qualifizierungsnachweisen kaum noch die Rede sein: Auch in den USA kam, sah und siegte er. Schon 1999 wird er die Koffer wohl für immer packen. Doch mehr verrät das zurückhaltende (Sprach-)Talent auch diesmal nicht.

"Ich hab's mehr mit den Naturwissenschaften", kokettiert er. Lernt aber derzeit Spanisch ("die zweite Sprache in Kalifornien"), hatte in der Schule Französisch und "so während der Bundeswehrzeit" ein bißchen Russisch gelernt...

Wahrscheinlich ist er auch im Max Planck Institut, wo er sofort übernommen wurde, ein Überflieger. Würde sich aber eher die Zunge abbeißen, als so etwas auch nur anzudeuten. Doch wer nun meint, der junge Mann bekomme selten Sauerstoff, verkrieche sich hinter Büchern, der irrt: "ich bin Triathlet", gibt er zu - als ob es unanständig ist. 20 Stunden Training pro Woche. Berlin, "Iron Man" in Zürich. Kollegen nennen ihn "zäh, ausdauernd, gutes Mittelfeld". "Zu mehr fehlt mir die Zeit", entschuldigt er sich fast, bevor er je nach Lust 120 km per Rad oder 20 km per Pedes absolviert. Good Luck!

Stichwort: The Language Centre

(elle) Seit fünf Jahren gibt es das "Language Centre" (LC) in Dortmund. In Intensivgruppen von drei bis fünf Personen wird einmal wöchentlich zwei Stunden lang gebüffelt. Entweder Konversations- oder Wirtschafts- englisch. Kursdauer: sechs Monate, Kosten: 142 DM im Monat. Je nach Gruppe kann tagsüber oder abends gepaukt werden.

Die acht " teacher" kommen aus Irland, Australien, England und Amerika - englische Muttersprache also garantiert. Die Kurse starten jederzeit, sobald eine Gruppe zustande kommt. Im Jahr melden sich etwa ein Dutzend (Korrektur - Drei Dutzend!) Schüler zur Prüfung bei der Londoner Handelskammer an. Die Prüfungen erfolgen schriftlich und mündlich in Dortmund. Der Test wurde einst für junge Engländer erstellt, ist inzwischen weltweit verbreitet.

Mark Pattison vom LC: "Wir bieten auch einwöchige Crashkurse á täglich acht Stunden an." Zudem wird das LC von Firmen immer häufiger für hausinterne Weiterbildungen gebucht. Tel: 58 603 88 / Fax: 58 603 90


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